Bildästhetik jenseits des Mainstreams wirkt

Von Ingrid Walter - August 2016

 

Corporate Design und Bildsprache

Bildästhetik und Bildersprache unterliegen einem ständigen Wandel. Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Was noch vor wenigen Jahren ein No-Go in der äußerlichen Erscheinung war, ist plötzlich in und cool. Ob das nun Tätowierungen sind, die sich ja immer noch großer Beliebtheit erfreuen oder Piercings oder auch Vintage-Klamotten kombiniert mit knallbunten Sportschuhen. Wie sich unsere Wahrnehmung verändert, hat die Bildagentur Getty Images in ihrem „Trend-Report 2016“ untersucht. Danach sehnen wir Menschen uns in der Flut massenhaft vervielfältigter Bildern nach einzigartigen und herausragenden Bildern und Eindrücken.

Dazu trägt natürlich auch Photoshop bei. Das Programm hat in den vergangenen 25 Jahren die Bildästhetik und die Selbstwahrnehmung des Menschen fundamental verändert. „Photoshoppen“ steht als Synonym dafür, Bildillusionen zu erzeugen und Porträts zu verschönern. Auch der Erfolg sozialer Medien wie Facebook, Instagram und Pinterest verdeutlicht die Macht der Bilder.

Mutige Kampagnen – originelle Bilder

Diese aktuellen Entwicklungen sollte man in der Kommunikation, bei der Auswahl von Fotos und Stockbildern zumindest im Hinterkopf haben, wenn man möchte, dass Werbung bei der Zielgruppe ankommt. Auf jeden Fall ist es ratsam, verwendete Bilder öfter mit kritischen Augen anzuschauen und auszutauschen. Wir befassen uns in der Agentur tagtäglich mit Bildideen und stellen fest, dass mutige Kampagnen mit Humor und ausgefallenem Design vermehrt für Aufsehen sorgen und breite Akzeptanz finden. Getty Images beobachtet im Trend-Report 2016 einen erhöhten Zugriff auf solche besonderen Bilder. Bei der Bildagentur verzeichnen folgende Suchbegriffe die höchsten Zahlen: „Mutige Entscheidungen“, „Rebellisch“, „Aus der Masse herausstechen“. Mit diesen Begriffen wurde bei Getty im letzten Jahr vermehrt nach originellen visuellen Darstellungen gesucht. Auch für das nächste Jahr rechnet die Agentur mit einem deutlichen Anstieg an Bildern, die konfrontieren, wachrütteln und zum Hinsehen bewegen.

Bildästhetik und Sinnsuche

Ein weiterer Aspekt, der einen starken Einfluss auf die derzeitige Bildästhetik hat, ist laut der Getty-Umfrage eine verstärkte Sinnsuche. Der Trend „Divine Living“ stellt den sinnvollen Konsum in den Mittelpunkt unseres Kaufverhaltens. Wir kaufen eher zielgerichtet ein und wählen bewusst aus. Visuell stellt sich dieser Aspekt folgendermaßen dar: Kunden suchen immer häufiger nach Bildern mit Lichtdurchbrüchen oder einer leichten, richtungsweisenden Ästhetik. Ein dritter beispielhafter Trend ist Zurückhaltung, eine Hinwendung zu einem Weniger-ist-mehr, die sich visuell in einfachen, eleganten und minimalistischen Bildideen spiegelt – auf diesem Prinzip hat Apple sogar seine gesamte Kampagne rund um das IPhone aufgebaut.

Bildsprache von Werbemitteln stets kritisch überprüfen

Diese Beispiele aus dem aktuellen Trend-Report zeigen wie aktuelle gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen unser Empfinden im Zusammenhang mit Bildern beeinflussen. Es ist deshalb notwendig, dass wir die Bildsprache der eingesetzten Werbemittel, Plakate, Broschüren, Flyer, Webseiten immer wieder überprüfen, uns mit anderen darüber austauschen und Mut bei der Auswahl neuer Motive haben. Betrachter, die im Zweifelsfall zu unserer Zielgruppe gehören, freuen sich über frische und freche Motive, die nicht nur das Immergleiche wiederholen. Wichtige Kriterien bei der Auswahl der richtigen Bildidee sind daher: Relevanz (denn Kunden möchten immer weniger mit unnötigen Informationen überschüttet werden),  Authentizität (authentische Bilder sprechen Emotionen an und rücken das Menschliche in den Vordergrund) – und bei digitalen Bildinhalten kommt der Aspekt der Interaktivität hinzu, das bedeutet, man sollte interessante und unterhaltende Bildinhalte verwenden, die zu Kommentaren und zum Teilen anregen – was mit der Zeit die Markenbindung fördert.

 

Über die Autorin

Ingrid Walter ist freie Redakteurin für den Newsletter von Seippel und Weihe. Die Kommunikationsfachfrau schreibt regelmäßig für das TOP-Magazin Frankfurt und das Offenbacher Stadtmagazin Mut & Liebe. In der Vergangenheit arbeitete als Journalistin für Fachzeitschriften unter anderem für das Branchenblatt „Horizont“ im Deutschen Fachverlag. Später war sie lange Jahre PR-Beraterin in internationalen Agenturen. 2011 eröffnete sie ihre Agentur für Kommunikation und Content „Walter Wortware“ in Offenbach am Main. 2013 hat sie den Stadtführer „Offenbach zu Fuß“ im Frankfurter Societätsverlag veröffentlicht. Weitere Informationen: www.walter-wortware.de