Tiflis on my mind – Schriftkunst ist in Georgien Kultur

Von S&W - Oktober 2018

Georgien im Klingspor

Georgien war das diesjährige Partnerland der Frankfurter Buchmesse und die georgische Schrift ist wegen ihrer sprechenden Form von einer besonderen Faszination. So widmet derzeit auch das Offenbacher Klingspor Museum für Schriftkunst mit „Tiflis on my mind” dieser besonderen Typographie eine Ausstellung. Georgien, an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien gelegen, ist geprägt durch seine eigene Sprache und Schrift, deren älteste Funde aus dem 5. Jahrhundert stammen. 2016 nahm die UNESCO die georgische Schrift in das immaterielle Weltkulturerbe auf. Trotzdem sind hierzulande Georgiens kulturelle Schätze noch weitgehend unbekannt. Das Georgische gehört mit Mingrelisch, Lasisch und Swanisch zu den südkaukasischen Sprachen.

Dabei bezaubert die georgische Alphabetschrift Mchedruli mit ihren 33 Buchstaben durch eine besondere Symbolkraft und wirkt wie ein bildhafter Code einer alten Kultur – plakativ und geheimnisvoll zugleich. Da für jedes Phonem, das heißt für jeden Laut, ein Buchstabe existiert, gibt das Alphabet die Aussprache des Georgischen genau wieder. Die facettenreichen Exponate im Klingspor Museum zeigen die Vielfalt georgischer Schriftkultur. Drucke und handschriftliche Arbeiten, von Inschriften des 5. Jahrhunderts und kostbare Manuskripte des 11. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Videos sowie kalligraphischen Kompositionen sind dort zu sehen. Mittelalterliche Schriftrollen und seltene Bücher des 16. bis 18. Jahrhunderts geben einen historischen Überblick. Höhepunkte bilden das 1629 in Rom gedruckte Wörterbuch Georgisch-Italienisch und das in Georgisch gefasste Evangeliar, das 1709 auf Geheiß des georgischen Königs Vakhtang VI. in Tiflis gedruckt wurde.

Daneben hat das Originaldokument der ersten Unabhängigkeitserklärung des Landes von 1918 (nach der Oktoberrevolution) Sabine Seippel besonders beeindruckt.

Typographische Arbeiten der Ausstellung zeigen außerdem, dass Tiflis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein vitales Zentrum der Avantgarde war. Wer ein wenig in das heutige Tiflis und Georgien eintauchen will, dem sei die Anthologie von Gedichten „Georgiens Herz“, die im Frankfurter Größenwahn-Verlag auf Deutsch erschienen ist. Darin finden sich 33 zeitgenössische Gedichte, die einen eindrucksvollen Einblick in den kaukasischen Alltag geben.

 

    

Sabine Seippel ist seit kurzem im Vorstand der Freunde des Klinspor Museums e. V. Die 1958 gegründete Vereinigung fördert die Arbeit des Klingspor Museums. Der Verein ergänzt mit eigenen Veranstaltungen das Ausstellungs- und Vortrags­programm des Offenbacher Museums. Es ist interessant und lohnend sich hier zu engagieren. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen.

Fotos: © Klingspor Museum