Science Slam Wiesbaden: Komplexe Themen einfach und unterhaltsam erklärt

Von S&W - November 2018

 

Bei der Imagebroschüre für den Industrieverband Agrar (IVA) merkten wir wieder einmal, dass es eine echte Herausforderung sein kann, komplexe Sachverhalte „konkret gut“ zu beschreiben – also leicht verständlich und dennoch unterhaltsam. Rainer Weihe hat sich deshalb wieder die neuesten Anregungen für künftige Herausforderungen auf der Science Slam-Meisterschaft in Wiesbaden geholt.

Alles erzählen ist einfacher als das Wesentliche erzählen

Eine überzeugende, spannende und einfache Argumentation ist das Wesen des Werbetextes. Und das ist nicht so leicht zu packen, wie es scheint. Am Anfang steht oft ein Wust an Informationen, durch die wir uns hindurchkämpfen müssen. Wir brauchen diese, um uns einen Überblick und eine gewisse Tiefe in einer Thematik zu erarbeiten. Aber für das jeweilige Printprodukt oder eine Webseite sollen es möglichst wenige Worte sein, damit sie auch gelesen werden und für möglichst viele verständlich sind. Da hilft es, wenn man erstens abstrahieren kann und zweitens so wortgewandt ist, dass man etwas besser und kürzer umschreiben kann. Die wenigen Worte und Sätze schließlich, die in einer Präsentation oder auf einem Flyer erscheinen, sind das Ergebnis sorgfältiger Textarbeit, bei der immer wieder reduziert und präzisiert wird. So lange, bis man wirklich den Kern des Ganzen herausgeschält hat, der dann eben ganz treffend, unmissverständlich und spritzig sagt, worum es geht.

Kunden meinen mitunter: Das sind doch nur ein paar Sätze und verstehen den zeitlichen Aufwand nicht immer. Aber genau diese paar Sätze sind das Schwierige, soll doch auch Goethe bereits gesagt haben: „Ich schreibe Dir einen langen Brief, weil ich für einen kurzen keine Zeit habe“.

 

 

Wissenschaft goes public

Lehrreiche Beispiele sind deshalb durchaus nützlich und die Stars der deutschen Science-Slam-Szene sind es gewohnt, schwierige Sachverhalte auf den Punkt zu bringen.

Am 24. November traf sich die Crème de la Crème der deutschen Science-Slam-Szene zur Deutschen Science Slam Meisterschaft im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden. Das war ein wissenschaftlicher Wettkampf aus unterhaltsamen und verständlichen Vorträgen vor einem Laienpublikum. Die Wissenschaft wurde aus den Laboren und Bibliotheken heraus ins wahre Leben geholt.

Acht Nachwuchswissen­schaftler präsentierten ihre Forschung jeweils innerhalb von zehn Minuten unterhaltsam, anschaulich, kreativ und für jedermann verständlich, auf der großen Bühne vor 5.000 Zuschauern. Unter der Moderation von Moritz Zaiss vom Max-Planck-Institut in Tübingen warfen sich die Finalisten wortgewandt die Phrasen zu.

Darunter waren beispielsweise Anastasia August (Materialforschung/KIT Karlsruhe), die erklärte, was eine Kerze und ein Messer mit der gewinnung regerativer Ernergie zu tun hat und der Psychologe Moritz Kirchner, der veranschaulichte, warum immer komplexere Themen in der Politik Populisten einen Aufwind bringen.

Gewonnen hat am Ende des Abends der Metallforscher Aniruddha Dutta vom Max-Planck-Institut für Eisenkunde (hier bei einem Auftritt beim FameLab 2017). Er machte in seinem zehnminütigen Vortrag „Stealing weight from Steel“ anhand eines Oreo-Kekses deutlich, wie man mit modifizierten Materialeigenschaften umweltfreundlichere Autos bauen kann.

Auf dieser Seite kann man sich noch mehr der interessanten Vorträge anschauen.