Das Einfache ist oft nicht so einfach

Von S&W - Oktober 2016

 

50 Jahre moderner Klassiker: Der Füller LAMY 2000

Vor 50 Jahren sah ein Füllhalter meist wie eine dicke Zigarre aus, war goldverziert und lag schwer in der Hand. Damit setzten mächtige Menschen ihre gewichtige Unterschrift auf ein offizielles Dokument. So konnte das nicht weitergehen, fand der Frankfurter Designer Gerd A. Müller und entwickelte ein modernes Schreibgerät für den Alltag.

Schon seit 1963 arbeitete er an einem nüchternen, rein funktionalen und schlanken Füller, der 1966 auf den Markt kam: der Lamy 2000. Bis heute wird er produziert, ist also nicht nur ein Klassiker, sondern bereits ein Vorbild des modernen Designs. Von 1963 bis 1966 entwickelte der Gestalter Gerd A. Müller für die Heidelberger Firma Lamy das Design für ein völlig neues Schreibgerät. Der Füllfederhalter LAMY 2000 wird seitdem ununterbrochen hergestellt und ist als Ikone einer sachlich-eleganten Gestaltung in vielen großen Designmuseen vertreten.

Komplexe Designprozesse nachvollziehbar dargestellt

Das Museum Angewandte Kunst nimmt die 50-jährige Geschichte des LAMY 2000 zum Anlass, am Beispiel dieses Füllers hinter die Kulissen der Entstehung unserer Dingwelten zu schauen. Bei den 100 zu sehenden Objekten handelt es sich nicht nur um die fertigen Produkte, sondern auch um Prototypen und Ideenskizzen. So lässt sich der oft langwierige Gestaltungsprozess verfolgen, der bei Lamy auf Augenhöhe zwischen freien Designern, Entwicklern und Konstrukteuren aus dem Haus sowie der Geschäftsführung stattfindet.

Der komplexe Prozess, der der Produktion eines oft banalen Alltagsobjekts vorausgeht, ist in der Ausstellung gut nachvollziehbar: Oben thronen die Schreibgeräte, darunter gibt es Schubläden zum Herausziehen mit Skizzen und Modellen, die verworfen, verändert oder für gut befunden wurden. So wird deutlich, wie viele Entwicklungsschritte nötig sind, um schließlich einen schlichten, gut funktionierenden Alltagsgegenstand zur Marktreife zu bringen.

Ähnlich geht es uns in der Kommunikationsbranche auch: Einem Logo oder einem Plakatmotiv sieht man am Ende nicht mehr an, wie viele Gedankengänge ihm vorausgegangen sind. Und eigentlich sind solche Entwürfe am besten, wenn man das auch nicht sieht. Dann entfalten sie ganz unbemerkt ihre Wirkung.

Die Ausstellung ist vom 24. September 2016 bis 29. Januar 2017 im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main zu sehen.