Darum ist Bauhaus-Design immer noch aktuell

Von Ingrid Walter - März 2019

Am 1. April wird das 1919 gegründete „Staatliche Bauhaus“ einhundert Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das Museum Angewandte Kunst (MAK) Frankfurt seit dem 18.1. in der Ausstellung „Moderne am Main 1919–1933“ wie Aufbruchsstimmung und neues Design das Leben geprägt haben. Dies finden wir besonders interessant, weil Frankfurt durch das Wohnbauprojekt „Das neue Frankfurt“ von Ernst May untrennbar und impulsgebend mit dem Bauhaus verbunden ist.

In der Ausstellung beschränkt sich das Museum ganz im Sinne von Walter Gropius nicht auf Design und Architektur dieser Zeit, sondern zeigt viele Facetten des damaligen Lebens. Die Ausstellung mit mehr als 500 Exponaten ist bis 14. April zu sehen. In sieben Themeninseln, von „Experimentieren und Forschen“ bis „Netzwerke und Gesellschaften“ erhält der Besucher ein Gefühl für den Zeitgeist und den Ursprung des Wunsches, in die Moderne aufzubrechen. Besonders interessant ist die „Frankfurter Küche“, die die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky mit dem Architekten und Stadtplaner May ausgearbeitet hat. Sie gilt als Wegbereiterin aller modernen Einbauküchen.

Vieles, was man am Bauhaus erdachte und wagte, wurde im neuen Frankfurt Wirklichkeit. So auch eine Schrift, die vom Main aus ihren Siegeszug antrat: Die Futura. Die von dem Maler, Grafiker und Buchgestalter Paul Renner 1924 entworfenen Typen zählen längst zu den Klassikern der Typographie.

Alle Tassen im Schrank – Futurist Ulrich Dietzel

Die Zeitlosigkeit und der Bezug zu Frankfurt haben auch unseren Netzwerkpartner Ulrich Dietzel fasziniert. Er dachte sich: Bauhaus ist quicklebendig, hat noch sehr viel Zukunft – und entwickelte mit seiner Agentur Idüll  und der FUTURA-Schrift eine Reihe schöner Alltagsgegenstände. Den Anfang machen Tassen, die Futurist*innen, Flaneur*innen und Freigeister ansprechen.

Mit *F hat er eine charmante Marke entwickelt, mit der vielfältige und auf Frankfurt bezogene Themen, Inhalte und Produkte kommuniziert und inszeniert werden. Der Claim „Gutes aus Frankfurt“ unterstützt dabei den lokalen Marken-Charakter. Die Produkte von Idüll gibt es zum Beispiel im Historischen Museum oder bei der Buchhandlung Walther König, in der Hasengasse, nahe der Kleinmarkthalle, die Handtücher zusätzlich im Ernst May Haus, bei 2nd home und im Museum der Dinge in Berlin. Sie sind ein originelles und zeitloses Geschenk oder spenden Freude im eigenen Alltag.

Wir selbst sind im Grunde auch durch diese schönen Dinge mit dem unverkennbaren *F wieder auf Ulrich Dietzel, mit dem wir früher einmal in derselben Agentur zusammengearbeitet haben, aufmerksam geworden. Nun konnten wir schon ein paar Projekte gemeinsam realisieren, wie zum Beispiel das Reisemagazin „Like“ für Ameropa.

Mit gutem Design alle zu erreichen, bleibt zwar auch in digitalen Zeiten eine Utopie, aber ein bisschen Utopie tut jeder kreativen Arbeit gut und trennt letztlich die Spreu vom Weizen.

 

Fotos: Wolfgang Günzel,  idüll – Ulrich Dietzel