Celluloid retten, gut essen und ins Gespräch kommen – im Filmklubb Offenbach

Von Ingrid Walter - August 2017

 

In Offenbach blüht manches im Verborgenen, denn dafür sind die Hinterhöfe, in denen sich früher Industriebetriebe und Fabriken befanden, wie geschaffen. Ein solcher findet sich beispielsweise im Isenburgring 36. Hinter einem großen Tor geht es zu einer Schreinerei, die José Da Noiva und Nicole Werth vor Jahren übernommen haben. 2011 ergab sich eine tolle Gelegenheit in Form eines heimatlosen Filmprojektors von 1947 der Marke Bauer (35mm). Nicole Werth, die in Frankfurt bei Heide Schlüpmann Filmwissenschaften studiert hatte, griff zu und gründete den Filmklubb, denn die Schreinerei, ehemals Luftpumpenfabrik, bot einen ziemlich großen Raum. Nicole Werth und ihr Partner starteten das Projekt nahezu ohne Geld mit ein paar geschenkten Möbeln aus den 60ern. Irgendwie passte alles zusammen: das Interieur, ein paar alte Plakate und Filme aus der Zeit der Loren und anderen. Bertolucci, Fellini, Visconti, Hitchcock – dazu leckeres selbstgekochtes Essen mit portugiesischem Einschlag, kluge Worte zur Einführung und/oder Livemusik. Das alles gibt es für eine Mitgliedschaft von 10 Euro im Jahr und eine Kleinspende für die Filmvorführungen (Live-Veranstaltungen ausgenommen).

Selbst das Eiskonfekt hat ein Comeback

Das Konzept ging auf. „Wir wollten einfach das alte Celluloid aus den 60ern, das im Zuge der Digitalisierung in großem Maße vernichtet wird, nicht sterben lassen“, erklärt Nicole Werth die Motivation des Filmklubbs. Denn neben den Spielfilmen werden auch alte Werbespots oder Wochenschauen gezeigt, die der Filmklubb liebevoll sammelt. Ganz besondere Schätze sind die Eiskonfekt Filmchen von Langnese. Danach gibt es im Filmklubb wirklich Eiskonfekt – und die Zuschauer versinken glücklich in den Fauteuils. Es geht dem Filmklubb aber nicht um Nostalgie. Vielmehr möchte man dort richtig gute Filme, die man in anderen Kinos selten zu sehen bekommt, für die Öffentlichkeit zugänglich machen und Menschen zusammenbringen.

Musik und Kunst haben auch ihren festen Platz

Gerade ist eine neue Reihe über Künstler gestartet. Jeden Mittwoch werden künstlerische Porträts über Maler und andere bildende Künstler gezeigt und man darf sich im September beispielsweise auf einen Dokumentarfilm über den britischen Streetart-Künstler Banksy freuen oder auf das Porträt über Neo Rauch „Gefährten und Begleiter“. Donnerstags werden regelmäßig Filme mit gesellschaftlich-politischem Bezug gezeigt. Sie thematisieren oft den Kampf für und um die Demokratie und machen deutlich, dass sie eine sehr wertvolle gesellschaftliche Errungenschaft ist, die man keinesfalls leichtfertig aufs Spiel setzen sollte. Mit dem erweiterten Programm gibt es inzwischen zahlreiche Gründe, den Filmklubb nah dem grünen und baulich schönen Offenbacher Dreieichring zu besuchen. Dort haben an die 100 Gäste Platz. Über das Programm kann man sich auf der Homepage www.filmklubb.de/presse.html informieren oder den Newsletter abonnieren. Passend zur Künstlerreihe gibt es hin und wieder auch sehr sehenswerte Ausstellungen regionaler Künstler. Im November stellt die Malerin Anja Hantelmann dort aus. Auch die Live-Musik-Programme der Genres Jazz oder Fado können sich hören lassen.