Visual Storytelling: Können Bilder sprechen – oder nicht?

Von Ingrid Walter - November 2017

Visual Storytelling erzählt Geschichten in Bildern. Aber können Bilder wirklich sprechen? Und wenn nicht: Wie bringen wir Bilder zum Sprechen? Gedanken zur Verleihung des DOCMA-Preises in Frankfurt.

 

 

Bilder sprechen erst durch Assoziationen

Eigentlich ist der bekannte Satz: „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ falsch, so Dr. Helmut Gold in seiner Eröffnungsrede zum diesjährigen DOCMA-Preis, der im Museum für Kommunikation in Frankfurt Ende September verliehen wurde. Ein Bild sagt gar nichts. Erst in der Interaktion mit dem Betrachter entstehen Geschichten. Und oft sind Titel, Bildunterschrift und/oder ein prägnanter Text, also Worte, notwendig, um eine Geschichte zu inspirieren.

Wie vieles verändert sich auch das Erzählen von Geschichten im digitalen Zeitalter und plötzlich sprechen alle von Visual Storytelling. Insgesamt spielen Bilder und Videos in der Kommunikation der Gegenwart und Zukunft eine zunehmend wichtige Rolle, wie jeder von uns in den sozialen Medien schon feststellen konnte. Nicht umsonst ist Instagram so erfolgreich.

 

 

Faszinierendes Visual Storytelling beim DOCMA Award

Wer sich einmal ansehen möchte, wie Visual Storytelling im besten Fall funktionieren kann, der hat noch bis zum 19. November 2017 Gelegenheit dazu. Im Frankfurter Museum für Kommunikation  werden gerade die besten Arbeiten zum DOCMA Award 2017 in einer Sonderausstellung gezeigt. Der DOCMA Award 2017 hat „Storytelling“ zum Thema gewählt, weil gut erzählte Bild-Geschichten eine wesentliche Herausforderung in unserer Zeit sind und immer mehr zu Medieninhalten werden. Die Geschichten, um die es bei diesem Wettbewerb geht, müssen „super short“ sein, also kurz und in einem Bild auf den Punkt kommen.

 

 

Gezeigt werden die prämierten Arbeiten, digital erstellte Bilder, unbearbeitete Originale, retuschierte oder verfremdete Bilder ebenso wie Montagen, 3D-Szenen oder Mischungen aus allem. Gesamtsieger ist Florian Janssen mit seiner Schwarzweiß-Aufnahme „Verschwunden“. Darauf ist ein Schneemann vor einem historischen Bauwerk zu sehen. Sein Blick geht zu einer Wasserpfütze, in der er sich selbst spiegelt. Vielleicht war dies vor kurzem eine Schneefrau oder jedenfalls ein vergängliches Gebilde, so wie er. Das Bild regt zum Nachdenken an und lässt einige Interpretationsmöglichkeiten zu. So sollte Storytelling auch in der Werbung funktionieren, finden wir. Der Betrachter ist ein Teil der Geschichte und leistet einen Beitrag.

DOCMA: Renommiertester Wettbewerb für digitale Kunst

Der Award der Bildbearbeitungszeitschrift DOCMA ist der renommierteste Wettbewerb für digitale Kunst im deutschsprachigen Raum. Das Fachmagazin bietet damit seit 2003 allen, die professionell oder privat mit den Mitteln digitaler Bildbearbeitung Kunstwerke erschaffen, ein Forum und fördert den Nachwuchs in diesem Bereich. Der DOCMA Award wurde 2002 von der Zeitschrift „DOCMA – Doc Baumanns Magazin für Bildbearbeitung“ als jährlicher Wettbewerb im mitteleuropäischen Raum zur Förderung digitaler Bildbearbeitung ins Leben gerufen. Gegründet wurde Deutschlands führende Bildbearbeitungszeitschrift von den Photoshop-Experten Doc Baumann und Christoph Künne.