A Bigger Brother: Ausstellung von Jim Avignon in Frankfurt

Von S&W - November 2018

 

Ein Künstler, der sich sehr anschaulich und direkt mit unserer modernen Kommunikation und den gesellschaftlichen Phänomenen darum herum auseinandersetzt, ist Jim Avignon. Er war aus Frankfurt nicht wegzudenken, bevor er seinen künstlerischen Radius nach Berlin und New York erweiterte. Jetzt kehrt er zumindest für eine Ausstellung nach Frankfurt zurück. Denn er hat für das Museum für Kommunikation unter dem Motto „Kontrolle“ die Ausstellung „A Bigger Brother“ gestaltet. Seine Figuren und Szenarien sind bunt und wirken auf den ersten Blick wie leicht konsumierbare Pop-Kost. Auf den zweiten Blick offenbaren die Werke die Auseinandersetzung mit großen Themen und vor allem mit der Allgegenwart der Medien. Er sagt selbst, dass sich das Thema seit mindestens zehn Jahren durch sein Leben zieht.

 

 

Den Zustand, der bei George Orwell noch Zukunftsvision war, haben wir längst erreicht und überschritten. Höchste Zeit also, immer wieder über unsere Nutzung der kommunikativen Medien nachzudenken. Avignons Kunstwerke bringen das Unbehagen in einer farbig plakativen Bildsprache zum Ausdruck. Sie machen auf eine ebenso minimalistische, ironische und unterhaltsame Weise deutlich, wie wir Menschen uns in der medialen Welt verhalten. „Mein Stil ist, mit einfachem Strich komplexe Dinge zu erzählen“, sagt er. Da sind etwa Porträts der Chefs von Facebook, Amazon und Google, vor denen sich automatisch Jalousien öffnen und schließen, und an der Wand gegenüber: Wir, die einfachen Menschen, denen man ins Gehirn gucken kann, um zu sehen, woran wir gerade denken: Essen, Schmuck und Börsenkurse.

 

 

Das Bild „Perpetuum Mobilphone“ zeigt uns im Bann sogenannter sozialen Medien. „Body Control“ entlarvt Mechanismen wie Fitness Tracker, die über uns regieren. Ein Körperscanner zeigt unser Inneres mit gebrochenem Herzen, eine Installation verwandelt einen Raum in eine Schaltzentrale.

Für die Kunsträume des Museums hat er 15 große und viele kleinere Werke in nur einem Monat geschaffen, denn passend zu unserer digitalen Welt, nennt er sich auch den schnellsten Künstler weit und breit. Er möchte zum Nachdenken anregen und das schafft Jim Avignon mit seinen Gemälden quasi spielend „A Bigger Brother“ – Jim Avignon, 18. November bis 26. Mai, Museum für Kommunikation, Schaumainkai 53.

Fotos: © Jim Avignon 2018